Über das Festival 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Piotr Napierałazum fünften Mal habe ich das Vergnügen Kunstliebhaber zum Festival dell‘ Arte ins Tal der Schlösser und Gärten einzuladen. Die fünfte Auflage des Festivals stellt ein kleines Jubiläum dar. Das ist  noch ein schlichtes, man kann sagen, ein „anfängliches“ Jubiläum, aber sogar die renommiertesten kulturellen Veranstaltungen mussten so ein Jubiläum in ihrer Geschichte verzeichnen. Jedes regelmäßig stattfindende künstlerische Ereignis erfüllt den Sinn nur dann, wenn es seine Gäste, Zuschauer und seine Betrachter findet. Wenn deren Zahl  Jahr für Jahr steigt und wenn zu den alten Gästen des Festivals neue hinzukommen, dann ist das für die Veranstalter die größte Zufriedenheit und Motivation weitere Auflagen zu organisieren. Auf diese Weise entstehen die wichtigsten künstlerischen Festivals. Ich hoffe, dass wir in diese Richtung gehen und ein Ereignis gestalten, das für viele Jahre ins Riesengebirge einkehrt.

Das Leitmotiv des Festivals ist,  verschiedene Kunstgattungen zu verbinden und sie in historischen Anlagen der einmaligen Region, die wir heute als das Tal der Schlösser und Gärten bezeichnen, zu präsentieren. Dieses Gebiet erlangte unter Reisenden und Künstlern besonders in der Zeit der Romantik an Ansehen und Ruhm. Eine malerische Landschaft,   prächtige, in vergangenen Jahrhunderten errichtete Gebäude, die oft mit ausgedehnten Parks und Gärten umgeben waren, bildeten eine Inspiration für Maler, Dichter, Musiker, welche hier auf Grund von zahlreichen Einladungen herausragender Einwohner und Residenten kamen. Demzufolge hatten hier die hervorragendsten Adelsfamilien Europas  ihre Residenzen. Die in der Nachkriegszeit zerstörten und verfallenen Schlösser und Herrenhäuser des Hirschberger Tals werden seit ein paar Jahren sorgfältig in ihrer alten Pracht wiederhergestellt. Dieses materielle Kostüm alter königlicher und fürstlicher Residenzen wollen wir um zusätzliche künstlerische Eindrücke bereichern, d.h. um Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen von Malerei und Skulpturen, Begegnungen mit Künstlern und sowie Diskussionen über Kunst und Denkmäler.  Herausragende Musiker, Maler, Bildhauer, Fotografen, Dichter, Schriftsteller, die die höchste künstlerische Meisterschaft entwickelten und unterschiedliche Kunstgattungen vertreten,  werden in dieser einmaligen Zeit im August  mit uns zusammen sein.

Piotr Napierała
Präsident der Stiftung

Michał MaciaszczykSehr geehrte Damen und Herren!

„Wo der Mensch ist, ist auch die Kunst”. Mit den Worten des großen Künstlers Stanisław Witkiewicz möchte ich alle Gäste der fünften Auflage des Festivals dell‘ Arte im Hirschberger Tal der Schlösser und Gärten begrüßen. Während der vorherigen Auflagen des Festivals dell’ Arte habe ich konsequent wiederholt, dass das  Festival Menschen für Menschen gestalten. Das menschliche Element in der Kunst ist ein unerlässlicher Bestandteil im Prozess des Schaffens, sowie später bei der Wahrnehmung und Bestimmung der Kunst  für jeden einzelnen von uns. Durch diesen persönlichen Kontakt zu Werken und deren Künstlern können wir die uns umgebende Welt besser kennen lernen und jeden Tag über uns selbst lernen, wie wir alles wahrnehmen und empfinden, was sich einerseits manchmal bewusst und absichtlich und andererseits auch völlig unbemerkt, geheimnisvoll,  in unser Bewusstsein einschleicht und unsere Wahrnehmung der Kunst vervollkommnet. Handskizzierter Strich, Farben, Formen, Worte, musikalische Phrasen scheinen uns durch ihre universelle Sprache der Emotionen anzusprechen. Freude, Tränen der Rührung, Besinnung – das alles wollen wir im Rahmen der fünften Auflage unseres Festivals mit Ihnen und unseren Künstlern erleben. Wir empfehlen Ihnen alle Festivalkonzerte, Ausstellungen und Spektakel zu besuchen, denen Sie durch Ihre Teilnahme eine außergewöhnliche Atmosphäre des fröhlichen  Festes verschaffen. Während dieses Festes werden alle seine  Teilnehmer zu wahren Schöpfern des ungewöhnlichen Werkes, denn „tempora nostrum est – die Zeit gehört uns.“

Ich möchte mich gleichzeitig bei allen Mäzenen und Mitbegründern des  Festivals dell’ Arte, sowie bei herausragenden Künstlern und dem wunderbaren Publikum für ihre Unterstützung und Teilnahme an unserem Festival bedanken. jego uczestnicy stają się prawdziwymi twórcami dzieła zawsze wyjątkowego ponieważ „Tempus nostrum est – Czas należy do nas”.

Michael Maciaszczyk
Künstlerischer Direktor



Jacek CyganHimmelsmusik über Wojanów (Schildau)

 

„Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebene Reise
Vollendet sie mit Donnergang.“          
J.W. Goethe „ Faust“

Im „ Prolog im Himmel“, in der Hymne der Erzengel, zeigt Goethe eine Vorstellung von der Sonne, die  zusammen mit den anderen sich an den Himmelssphären bewegenden Planeten die sog. HIMMELSMUSIK erzeugt. Literaturhistoriker schreiben, dass  die berühmte „Sphärenmusik” auf Jakob Böhme zurückzuführen ist. Er war ein armer Schuster, der nicht weit weg von hier, in Görlitz, wohnte und von Hegel als erster deutscher Philosoph bezeichnet wurde.  Auf der polnischen Seite der Stadt, in Zgorzelec,  kann man das Haus besichtigen, wo  Jakob Böhme in den Jahren 1590-1610 lebte.

Warum schreibe ich darüber? Jakob Böhme kam nach Görlitz aus Böhmen. Wissenschaftler setzen sich immer noch mit der Frage auseinander, wer er wirklich war. War er ein Böhme, ein Deutscher oder ein Pole? Oder vielleicht einfach ein Schlesier, Sorbe oder Flüchtling? Jakob Böhme verbindet  drei Räume – den böhmischen, deutschen und polnischen Raum genauso, wie  die Geschichte sie vor Jahrhunderten verbunden hat. Das Tal der Schlösser und Gärten, welches  die im Dreiländereck  Deutschland - Tschechien - Polen  liegt, verbindet und schweißt die Traditionen dieser Gebiete zusammen, wo jemand irgendwann  das verlorene Paradies – einen Ersatz für ein ideales Arkadien –  gestalten wollte und   Schlesien schuf. Gerade deswegen weilte Goethe im berühmten Teehaus in Buchwald und deswegen kommen jedes Jahr Künstler aus aller Welt – auch aus Deutschland, Polen, Tschechien –  in die umliegenden Schlösser, Burgen und Gärten und beleben das Festival dell’Arte. Wie die Vergangenheit lehrt, nahm das Land immer Philosophen, Dichter, Komponisten auf;  – Künstler, die auf ihre eigene Art und Weise diese berühmte H i m m e l s m u s i k     in Bewegung brachten. Heute tun sie das auch und knüpfen aufs Neue an die alte europäische Tradition an. Wir können nach  Konzerten, Vernissagen, literarischen Genüssen ( und nicht nur dieser Art)  die nächtliche Luft einatmen und dabei in die Sterne schauen. Das werden wohl die gleichen Sterne gewesen sein, unter denen sowohl Jakob Böhme, Johann Wolfgang von Goethe, Gerhart Hauptmann und Fürstin Friederike von Reden standen, als auch Ewa Lipska, Urszula Kozioł, Zbigniew Namysłowski oder Stanisław Soyka. Lauschen wir  der Himmelsmusik und seien wir glücklich, Stille hören zu können.

Jacek Cygan